Leitfäden für Bauherren

Was Bauherren bestellen und Architekten liefern

Warum das Elementplan-Buch für Architektur entstanden ist

Veröffentlicht

Simon Dilhas (Mitgründer abstract & BIM Pirate)

Was Bauherren bestellen und Architekten liefern ist das Elementplan-Buch für Architektur: ein deutsches Arbeitsbuch für Projektmanagement mit BIM. Es zeigt, wie Ergebnisse bestellt werden, statt Methoden vorzuschreiben. Band 1 behandelt die Architektur und erscheint im Q1 2027. Leseprobe, Preis und Erscheinungstermin stehen auf der Buchseite zum Elementplan Architektur. Die englische Fassung derselben Seite ist pragmaticbim.ch/en/elementplan-architektur.

Warum dieses Buch entstanden ist

Die Bau- und Immobilienwirtschaft leidet nicht an einem Mangel an Daten. Es fehlt eine gemeinsame Antwort auf vier Fragen: welche Information benötigt wird, wer sie erstellt, wann sie vorliegen muss und woran eine brauchbare Lieferung erkannt wird.

Diese Lücke zeigt sich in der Bestellung. Auftraggebende kopieren einen BIM-Abwicklungsplan, schreiben Anwendungsfälle wie die Kollisionsprüfung vor und finanzieren ein weiteres Pilotprojekt. Planende erben eine Methode, die sie nicht gewählt haben. Das Modell kommt zu unvollständig an, um das Projekt über Qualität zu führen. Die Honorardiskussion beginnt. Der Betrieb nutzt die Daten nicht.

Simon Dilhas hat das Buch aus dieser Erfahrung geschrieben, als Architekt und Bauherrenvertreter, der die regelbasierte Modellprüfung vor mehr als zehn Jahren zum ersten Mal gesehen hat. Das Versprechen, ein Projekt anhand klarer Regeln zu prüfen und zu steuern, ist auf vielen Baustellen noch offen. An Motivation und neuen Werkzeugen fehlt es nicht. Es fehlt ein gemeinsames Fundament: welche Information tatsächlich gebraucht wird, wer sie erzeugt, wann und wofür.

An die Stelle dieses Fundaments treten Dokumente, Folien und technische Vorgaben, deren Nutzen im Projekt niemand mehr erklären kann. Das erzeugt Aufwand, Nachträge und Widerstand, ohne die Planung verlässlicher zu machen.

Keine Datenanforderung ohne konkreten Nutzen. So wenig wie möglich, so viel wie nötig.

Verlässliche Information ist ebenso eine Führungsfrage wie eine technische. Ziele klären, Erwartungen offenlegen und Entscheide auf eine gemeinsame Informationsgrundlage stellen macht Führung wirksamer. Automatisierung löst eine unklare Bestellung nicht. Werkzeuge, auch KI, verarbeiten unklare Bestellungen effizient. Klarer werden sie dadurch nicht. Wo Ergebnisse automatisch entstehen, müssen Anforderungen, Quellen und Prüfregeln umso schärfer sein, sonst skaliert die Automatisierung die Unschärfe.

Der Elementplan soll BIM aus dem Dauerzustand des Pilotprojekts in die normale Projektarbeit bringen: das benötigte Ergebnis bestellen, Risiken früh sichtbar machen und die Prüfungen wiederholen. Zusätzliche Leistungen bleiben zusätzliche Leistungen. Sie sollen bewusst bestellt werden und einen Nutzen haben, den man erklären kann.

Was der Elementplan ist

Der Elementplan ist ein Katalog von Informationsanforderungen. Er beschreibt, welche Elemente ein Modell enthalten soll und welche Attribute diese für einen bestimmten Zweck benötigen. Er beginnt beim Zweck, nicht beim Modell und nicht bei einer Software.

Jede Anforderung lässt sich über eine Kette auf ein Projektziel zurückführen:

  • Projektziele beschreiben, worauf ein Projekt Wert legt und welche Risiken reduziert werden sollen.
  • Anwendungsfälle erklären, wofür Information benötigt wird und welchen Nutzen sie stiftet.
  • Informationscontainer sind der Ort, an dem das Ergebnis bereitgestellt wird.
  • Elemente benennen die fachlichen Gegenstände im Modell.
  • Attribute und Wertelisten legen fest, welche Information diese Gegenstände brauchen.
  • Projektbestellungen sind das, was kommuniziert und geprüft werden kann.

Bestellt werden Daten und Ergebnis. Ein Anwendungsfall hilft, den Informationsbedarf herzuleiten. Er schreibt dem Team nicht vor, wie es das Ergebnis erarbeitet.

Diese Trennung löst einen echten Zielkonflikt. Zu viele Vorgaben nehmen den Beauftragten die Methodenfreiheit. Zu wenige gemeinsame Grundlagen machen Automatisierung zufällig und auf dem nächsten Projekt kaum wiederholbar. Vereinheitlicht wird die Information: Begriffe, Attribute und zulässige Werte. Wie das Team sie erarbeitet, bleibt frei. Der Elementplan vereinheitlicht das Ergebnis, nicht die Arbeitsweise.

Was in Band 1 steht

Das Buch ist ein Arbeitsbuch in zwei Teilen.

  • Teil 1, Was Bauherren bestellen. Eine Projektorganisation, nicht eine BIM-Organisation daneben. Bestelldokumente, die den Bedarf festhalten statt BIM-Bürokratie. Ziele und Rahmenbedingungen. Anwendungsfälle für Bestellung, Qualitätssicherung und Planung.
  • Teil 2, Was Architekten liefern. Ein Nachschlagewerk für den Arbeitsplatz: wie ein Element modelliert wird, wie es klassifiziert wird und welche IFC4-Attribute es braucht. Die Anhänge dokumentieren Datenstrukturen, Raumbezeichnungen und Berechnungslogiken.

Band 1 umfasst 9 Ziele und Rahmenbedingungen, 117 Anwendungsfälle, 54 Bauelemente und 99 Attribute. Er ist eine Referenz für projektspezifische Entscheide, keine Checkliste zum vollständigen Übernehmen. Nicht jeder Anwendungsfall spielt in jedem Projekt eine Rolle, und kein Katalog deckt alle ab.

Das Buch steht für sich. Editor und Viewer auf pragmaticBIM.ch sind optional, wenn dieselben Anforderungen ausgewählt, angepasst, vereinbart und als Vertragsdokument, IDS oder Webansicht publiziert werden. Die Anwendung trifft keine fachlichen Entscheide, und das Buch ersetzt keine Projektvereinbarung.

Für wen das Buch ist

Es ist für alle geschrieben, die Informationsanforderungen bestellen, planen, modellieren, koordinieren oder prüfen.

  • Auftraggebende und Projektleitende erhalten eine Grundlage, benötigte Ergebnisse eindeutig und prüfbar zu bestellen und BIM als Risikominimierung und Qualitätssicherung einzusetzen, statt ein weiteres Pilotprojekt zu finanzieren. Einstieg in Teil 1: organisatorische Grundlagen, dann Ziele und Rahmenbedingungen.
  • BIM-Management und BIM-Koordination erhalten eine Struktur, um Projektziele in Anforderungen, Prüfungen und Arbeitsabläufe zu übersetzen.
  • Planende und Modellierende erhalten ein Nachschlagewerk dafür, wie ein Element modelliert wird und welche Information es braucht. Einstieg in Teil 2.
  • Büros und Projektteams erhalten einen Ort, Entscheide festzuhalten und wiederzuverwenden. Für Pläne haben sich gemeinsame Konventionen entwickelt. Für Modelle fehlt dieses geteilte Wissen vielerorts noch. Projektspezifische Festlegungen gehören in die Notizfelder.

Verhältnis zu ISO 19650, IDS und KBOB

buildingSMART, Bauen Digital Schweiz, SIA und KBOB haben mit Normen, Merkblättern und Klassifikationen bereits Grundlagen gelegt. Der Elementplan baut darauf auf und ersetzt sie nicht.

Die ISO 19650 will Information aus den Zielen von Organisation und Projekt ableiten, Verantwortlichkeiten klären und Lieferungen über den Lebenszyklus planbar und prüfbar machen. Der Elementplan folgt diesem Gedanken. Er übernimmt nicht die Dokumentenstruktur und nicht den Wortschatz der Norm, auch nicht Appointing Party und Appointed Party. Er übersetzt den Informationsbedarf direkt in Ziele, Anwendungsfälle, Container, Elemente, Attribute und Prüfregeln. Er beansprucht keine formale Konformität mit ISO 19650 und ersetzt keine projektspezifische Vereinbarung.

Die KBOB empfiehlt denselben Bestellgrundsatz: nicht pauschal eine Methode bestellen, sondern aus den Zielen der Bauherrschaft Anwendungen, Leistungen und digitale Ergebnisse ableiten. Schnittstellen, Lieferzeitpunkte und Formate präzise beschreiben und nach dem Grundsatz vorgehen: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Bisher fehlt eine offene, maschinenlesbare Referenz, die diese Grundsätze bis zu einzelnen Elementen, Attributen und zulässigen Werten konkretisiert. Diese Lücke schliesst der Katalog.

IDS prüft, ob gelieferte Information einer Spezifikation entspricht. Der Elementplan definiert, welche Information benötigt wird, warum und wann. Die formale IDS-Prüfung ist ein Weg, mit den Daten zu arbeiten. Das Buch behandelt auch die visuelle Plausibilität, weiterführende Anforderungsprüfungen und berechnete Kennwerte.

Christoph Maurer, Präsident ZI/SIA, benennt die Reihenfolge, der das Buch folgt: Erfahrung kommt vor dem Standard, der Standard vor der Norm. Bei BIM wurde diese Reihenfolge umgekehrt. Internationale Vorgehensmodelle und festgeschriebene Rollen kamen, bevor die breite Praxis sich gesetzt hatte. In vielen Projekten entstand neben dem Projektmanagement eine eigene BIM-Organisation, mit eigenen Sitzungen, Dokumenten und einer eigenen Sprache. Dieses Buch stellt die konkrete Aufgabe wieder in die Mitte: wer welche Information braucht, wofür, und woran man erkennt, dass sie brauchbar ist. Es ist eine begründete Setzung aus der Praxis, damit später ein Standard und irgendwann eine Norm auf etwas aufbauen können, das sich bewährt hat. Es ist selbst weder Standard noch Norm.

Dieselbe Haltung gilt für die Handlungsempfehlung Data Dictionaries vom September 2026 (Bauen digital Schweiz / buildingSMART Switzerland, mit IFMA Switzerland, Infrastruktur Hospital Schweiz, InfraSuisse, dem Schweizerischen Baumeisterverband, CRB und SIA). Merkmale einmal definieren und wiederverwenden. Bestehende IFC-Klassen und Property Sets vorziehen. Wertelisten referenzieren statt kopieren. Informationsbedarf aus Anwendungsfällen ableiten. Der Elementplan gibt diesen Begriffen, Attributen und Wertelisten stabile, versionierte URIs und veröffentlicht sie als offene Daten. Wo eine andere Institution eine Definition unter einer stabilen URI pflegt, verweist der Katalog dorthin.

abstract hat kein Interesse daran, eine weitere Norm zu besitzen. Das Interesse ist, dass endlich etwas Brauchbares existiert, auf dem aufgebaut werden kann. Die Rohdaten sind unter der PragmaticBIM Standard License offen. Das Buch ist eine kuratierte Sicht auf diese Daten.

Erscheinung, Sprache und Preis

Band 1 ist auf Deutsch und behandelt die Architektur. Er erscheint im Q1 2027. Danach folgen die französisch- und italienischsprachige Schweiz, dann die Gebäudetechnik.

  • Druck: CHF 120 für ein Exemplar.
  • PDF, Team: bis 25 Personen, CHF 400.
  • PDF, Organisation: bis 250 Personen, CHF 900.
  • PDF, Enterprise: unbegrenzt, eine juristische Person, CHF 1'800.

Das gedruckte Buch ist ein Exemplar. Das PDF ist eine einmalige Bürolizenz, kein Abonnement.

Eine kostenlose Leseprobe von 12 Seiten auf Deutsch und eine Benachrichtigung zum Erscheinungstermin gibt es auf der Buchseite zum Elementplan Architektur.

← Alle Guides

Kontakt

abstract ag

Impressum · Picassoplatz 4, 4052 Basel