pragmaticBIM
Der „Einheits-BIM-Standard" ist ein Märchen (Und wie wir die Daten-Anarchie trotzdem lösen)
Minimalistische Workflows statt dickerer Handbücher
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Wer versucht, einen einzigen BIM-Standard für alle Projektbeteiligten zu entwickeln, jagt einem Phantom nach. Es wird ihn in absehbarer Zeit nicht geben. Die Lösung liegt nicht in noch dickeren Handbüchern, sondern in minimalistischen Workflows und automatisierter Übersetzung.
Ob AutoCAD, Revit, Microstation oder Vectorworks – wer seit Jahren digitale Standards entwickelt, stellt irgendwann fest: Technische Formate wie IFC sind zwar das Fundament, aber sie lösen das Effizienzproblem nicht von allein.
Das Problem ist der logische Interessenkonflikt im Schweizer Bauwesen:
- Der Bauherren-Projektleiter betreut mehrere Projekte gleichzeitig. Er will nicht für jedes Projekt ein neues CDE (Common Data Environment) lernen oder sich an den individuellen Modellierungsstil eines neuen Architekten gewöhnen müssen. Er will sofort Antworten auf Kosten- und Flächenfragen.
- Das Planungs- und Bauunternehmen arbeitet parallel für fünf verschiedene Bauherren. Es will (und kann) seine interne Arbeitsweise nicht für jeden einzelnen Kunden komplett umkrempeln.
Der Versuch, beide Welten in ein starres, seitenlanges Regelwerk zu pressen, erzeugt nur eins: Daten-Müll.
Die 3 No-Gos bei der Standardisierung (Und die pragmatische Alternative)
In der Schweizer Praxis (oft getrieben durch das Bestreben, komplexe Baukostenklassifikationen wie den eBKP-H abzubilden) laufen Standardisierungsprojekte oft in die völlig falsche Richtung. Wenn Sie Datenqualität wollen, müssen Sie drei Kardinalsfehler vermeiden:
Fehler 1: Manuelle Eingabe von irrelevanten Codes
Ein Zeichner oder eine Architektin sollte niemals gezwungen werden, komplexe Klassifizierungscodes manuell in ein Modell einzutippen, die für ihre eigentliche Arbeit völlig irrelevant sind. Das führt unweigerlich zu Fehlern.
Die pragmatische Strategie: Nutzen Sie die inhärente Logik von IFC. Codes wie der eBKP lassen sich über standardisierte Basis-Attribute wie PredefinedType, IsExternal oder LoadBearing in Kombination mit einer einfachen geometrischen Logik (z. B. „befindet sich das Bauteil über oder unter dem Terrain?") automatisch berechnen.
Fehler 2: Die „Je mehr Daten, desto besser"-Mentalität
Besonders Bauherren neigen dazu, gigantische Datenmengen auf Vorrat zu bestellen. Das Ergebnis sind unvollständige Datenleichen. Bevor Sie ein Datenfeld anfordern, zwingen Sie sich zu drei Fragen:
- Wofür genau benötige ich diese Daten im Betrieb oder im Projekt?
- Wie sieht mein konkreter Qualitätssicherungs-Workflow aus, um diese Daten zu prüfen?
- Kann ich diesen Wert aus bestehenden Inputs automatisch berechnen lassen?
Fehler 3: Endlose Excel-Listen und theoretische Word-Dokumente
Niemand liest 80-seitige PDF-Richtlinien. Kommunizieren Sie Anforderungen datenbankbasiert, von unten nach oben gebaut, und vor allem: Visuell. Modellierungsrichtlinien sollten idealerweise mit Bildern statt mit Textwüsten erklären, wie ein Bauteil zu schneiden ist.
Die Lösung: Übersetzen statt Erdrücken
Wir müssen aufhören, den „einen Standard, der sie alle knechtet" zu suchen. Stattdessen müssen wir lernen, bestehende technische Standards als Fundament zu nutzen und clevere Workflows zu bauen, die unterschiedliche Standards automatisch ineinander übersetzen.
Ein schlanker, minimalistischer Standard zeichnet sich dadurch aus, dass die Person vor dem Computer nur Daten eingibt, die sie auch wirklich versteht. Den Rest erledigt die Automation im Hintergrund.
Das entlastet das Projektteam von repetitiven Abfragen, eliminiert das ewige Warten auf Antworten und schafft Raum für das, was wirklich zählt: Werte zu schaffen und gute Gebäude zu bauen.