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Die 3 Stufen der BIM-Qualitätsprüfung: Wie Bauherren den „Algorithmus einstellen"
Von manueller Kontrolle zu automatisierter Modellprüfung
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Was bedeutet Qualität bei einer Immobilie? Für die einen sind es schattenfreie Wände, für die anderen edle Materialien. Im digitalen Zeitalter gibt es jedoch eine viel pragmatischere Definition: Qualität ist, wenn das gelieferte Modell exakt die Anforderungen des Bestellers erfüllt.
Das Problem: Die meisten Bauherren wissen erst, was sie wollen, wenn sie es sehen. In der frühen Konzeptphase ist das kein Problem – da brauchen wir Flexibilität und Iteration. Sobald es aber an die Ausführung geht, kosten Planungsänderungen massiv Geld.
Um dieses Risiko zu minimieren, wählen Schweizer Bauherren meist zwei klassische Strategien:
- Mehr Personal: Sie stellen mehr Bauherrenvertreter ein, als Planer im Projekt arbeiten.
- Mehr Papier: Sie lassen 3'000-seitige Pflichtenhefte schreiben, um rechtlich gegen jede Eventualität abgesichert zu sein.
In Zeiten von akutem Fachkräftemangel und digitaler Transformation ist das der falsche Weg. Es ist Zeit für Strategie Nummer drei: Wir müssen den Algorithmus einstellen. Denn einer automatisierten Prüfroutine ist es völlig egal, wie oft sie die Arbeit wiederholen muss. Sie wird nicht müde.
Risikomanagement durch automatische Modell-Checks
Ein reales Beispiel aus der Praxis: Während der Planung stellt sich heraus, dass die Haustechnik-Leitungen dicker werden als gedacht. Die Wände müssen dicker gemauert werden. Die Badezimmer werden dadurch unbemerkt ein paar Zentimeter kleiner. Die Folge? Die geplanten Sanitärapparate passen nicht mehr rein, das Vermarktungskonzept wankt, der Business Case bricht ein.
Wer diesen Fehler erst auf der Baustelle merkt, bezahlt teures Lehrgeld. Wer das Modell automatisiert prüft, fängt den Fehler ab, bevor er entsteht. Doch wie baut man ein solches QS-System auf?
Wir unterteilen die BIM-Qualitätsprüfung in Anlehnung an die Softwareentwicklung in drei logische Stufen:
[Stufe 3: System-Test] → Komplexe Business-Regeln & Simulationen
↓
[Stufe 2: Integration-Test] → Geometrische Logik & Modellierungsregeln
↓
[Stufe 1: Unit-Test] → Reine Daten- & Attributpräsenz
Stufe 1: Der Unit-Test (Reine Datenpräsenz)
Auf der untersten Ebene prüfen wir, ob die geforderten Daten überhaupt da sind.
- Das Ziel: Wir wollen die Bruttogeschossfläche (BGF) oder die Nettowohnfläche abfragen.
- Die Anforderung: Jedes Raumelement muss als IfcSpace modelliert sein und einen korrekten PredefinedType (z. B. GFA oder SPACE) besitzen.
- Das Fazit: Das ist das absolute Minimum. Es sagt uns nur, ob die Planer die Tabelle ausgefüllt haben – aber noch nicht, ob der Inhalt Sinn ergibt.
Stufe 2: Der Integration-Test (Modellierungslogik)
Hier prüfen wir, wie modelliert wurde, um komplexe geometrische Risiken abzufangen.
- Das Ziel: Wir wollen sicherstellen, dass die Tiefgarage genug Parkplätze hat und diese auch physisch befahrbar sind.
- Die Anforderung: Jeder Parkplatz darf nicht nur eine pauschale Fläche sein, sondern muss als einzelnes IfcSpace-Element modelliert werden.
- Der Check: Der Algorithmus zählt nicht nur die Parkplätze, sondern prüft automatisch die lichte Höhe, die Breite und ob die Fahrgasse davor den gesetzlichen Mindestradius einhält.
Stufe 3: Der System-Test (Business- & Behörden-Regeln)
Die Königsklasse. Hier verknüpfen wir die Daten aus Stufe 1 und 2 mit externen Regeln (z. B. Baugesetz oder Investoren-Vorgaben).
- Das Ziel: Stimmt der Wohnungsmix und die Parkplatzquote für das gesamte Areal?
- Die Anforderung: Die einzelnen Räume (IfcSpace) müssen über Zonen oder Systeme logisch zu einer bestimmten Wohnung (z. B. „Wohnung 3.1, 4.5-Zimmer") zusammengefasst werden.
- Der Check: Der Algorithmus berechnet dynamisch die Anzahl der Wohnungen, gleicht sie mit der Anzahl der Parkplätze ab und prüft vollautomatisch, ob das Projekt die regulatorischen Vorgaben der Gemeinde erfüllt.
Fazit: Die Digitalisierung von Expertenwissen
Der wahre Wert von BIM für Bauherren liegt nicht auf Stufe 1. Excel-Listen auslesen kann jeder. Der Profit entsteht auf den Stufen 2 und 3.
Indem Sie diese Prüfregeln einmal sauber definieren, giessen Sie das firmeninterne Know-how Ihrer besten Projektleiter in digitale Werkzeuge. Das entlastet Ihre Teams von stupider Kontrollarbeit, sichert Ihre Projekte ab und sorgt dafür, dass Sie genau die Qualität bekommen, die Sie bestellt haben.