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Warum Bauherren keine BIM-Use-Cases bestellen sollten (Und was Sie stattdessen brauchen)
BIM ohne Bullshit — Das Restaurant-Prinzip für Schweizer Bauherren
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Wer ein Gebäude baut, geht nicht in die Küche des Restaurants, um dem Koch zu sagen, wie er die Sauce zu rühren hat. Warum tun wir es dann beim digitalen Bauen ständig?
Viele Schweizer Bauherren, Asset Manager und Projektleiter stehen vor dem gleichen Problem: Sie wollen "BIM machen", kopieren seitenlange Vorlagen für einen BIM-Projektabwicklungsplan (BAP) und bestellen unzählige Standard-Anwendungsfälle (Use Cases) wie „Kollisionsprüfung" oder „Mengenermittlung".
Das Resultat? Überforderte Planer, astronomische Honorare und am Ende ein Datenfriedhof, der für den Betrieb der Immobilie nutzlos ist.
Es ist Zeit für BIM ohne Bullshit. Es ist Zeit für den alten Grundsatz der Bestellung, der auch im digitalen Zeitalter gilt: Der Bauherr bestellt das „Was" – der Planer liefert das „Wie".
Das Restaurant-Prinzip: Warum die Methode dem Spezialisten gehört
Wenn ein Patient operiert werden muss, sagt er dem Arzt nicht: „Ich lasse mich operieren, aber Sie müssen das Skalpell XY benutzen und dürfen den modernen Operationsroboter nicht anrühren." Das wäre absurd.
Beim Bestellen von BIM-Leistungen passiert aber genau das tagtäglich. Bauherren mutieren zu Micro-Managern der Planerprozesse. Drehen wir das Prinzip um:
- Der Bauherr sagt, was er will und braucht. (Und idealerweise, warum er es braucht, um die Qualität zu sichern).
- Der Spezialist sagt, wie er den Job erledigt.
Wenn Sie im Restaurant essen gehen, bestellen Sie ein perfekt gegartes Filet ohne Gluten (Ihr Nutzen und Ihre Einschränkung). Sie vertrauen dem Koch, dass er sein Handwerk versteht. Erst wenn der Teller auf dem Tisch steht, prüfen Sie das Ergebnis (Qualitätssicherung).
Die 2 Hausaufgaben für Schweizer Bauherren: Prozesse und Datenanforderungen
Vergessen Sie die komplizierten, theoretischen BIM-Prozesse, die Ihnen Berater verkaufen wollen. Konzentrieren Sie sich als Besteller auf Ihre eigenen Hausaufgaben:
1. Definieren Sie Ihre eigenen Prozesse (Ihre internen Use Cases)
Planer-BIM ist nicht Bauherren-BIM. Fragen Sie sich nicht, was der Architekt mit dem Modell macht, sondern was Sie damit tun wollen:
- Brauchen Sie die Daten für ein nahtloses CAFM-Handover (Facility Management)?
- Müssen Sie automatisierte Kosten- und Flächenberechnungen nach SIA 416 / DIN 277 durchführen?
- Benötigen Sie exakte Materialdaten für das spätere Kreislaufwirtschafts-Reporting (Madaster)?
2. Formulieren Sie konkrete Informationsanforderungen (EIR)
Statt dem Planer vorzuschreiben, wie er Kollisionen prüft, definieren Sie, welche Datenqualität am Ende der jeweiligen SIA-Phase vorliegen muss.
Ein schlechter BIM-Auftrag: „Der Planer muss den BIM-Anwendungsfall Kollisionsprüfung für die Haustechnik anwenden."
Ein pragmatischer BIM-Auftrag: „Ich benötige im Modell der Phase 32 (Bauprojekt) alle Bauteile der HLKSE-Gewerke geometrisch und attributiert so klassifiziert, dass keine harten Durchdringungen mit der Tragstruktur vorliegen. Die finale IFC-Lieferung muss das Attribut X aufweisen."
Vertrauen ist gut, Qualitätsprüfung ist besser
Das Restaurant-Prinzip bedeutet nicht, dass Sie blind alles schlucken müssen. Wenn es ein wichtiges Essen ist, werfen Sie berechtigterweise einen Blick in die Küche und wollen das Frischezertifikat der Zutaten sehen.
Übersetzt auf BIM bedeutet das: Fokus auf automatisierte Qualitätssicherung. Planer dürfen mit der Software und den Methoden arbeiten, die sie beherrschen. Aber Sie als Bauherr installieren eine digitale Prüfroutine (z. B. automatisierte Model-Checks), die beim Hochladen der Modelle sofort prüft, ob Ihre geforderten Daten geliefert wurden. Stimmen die Zutaten nicht, geht der Teller zurück in die Küche.
Fazit: Weniger Dokumente, mehr Bestellerkompetenz
Hören Sie auf, Anwendungsfälle zu bestellen, die Sie nicht verstehen und nicht kontrollieren können. Stärken Sie Ihre Bestellerkompetenz, indem Sie lernen, präzise funktionale Anforderungen zu formulieren.
Sie wollen wissen, wie Sie Ihre Informationsanforderungen (EIR) für das nächste Projekt so aufsetzen, dass Planer aufatmen und Sie exakt die Daten bekommen, die Sie brauchen?